38h-Woche und die Wahlmodelle


08. Mai 2017
GDL OG S-Bahn Berlin - A.R.

Die drei Wahlmodelle - ein kleiner Exkurs

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs zum Thema 38-Stunden-Woche ab 01.01.2018, die darum entwickelten Wahlmodelle und wie diese aus Sicht der GDL-Tarifverträge funktionieren.

Die Referenz . . .

. . . hinsichtlich der Arbeitszeit

Findet sich im BuRa-ZugTV §3 Abschnitt I Absatz 1 Buchstabe a).
Diese beträgt bis zum 31.12.2017 2036 Stunden / Jahr (39-Stunden-Woche),
ab dem 01.01.2018 1984 Stunden / Jahr (38-Stunden-Woche).

. . . hinsichtlich des dafür gezahlten Entgelts

Bilden die Entgelttabellen nach BuRa-ZugTV Anlage 2
Hier ersichtlich auch die ab April 2018 erfolgenden Entgelterhöhungen durch Veränderung der Entgeltstruktur.

Das bedeutet ab dem 01.01.2018: 1 Stunde / Woche bzw. 52 Stunden / Jahr weniger Arbeitszeit bzw. mehr Freizeit und damit Entlastung bei gleichbleibendem Tabellenentgelt.

Die Wahlmodelle

Ausgehend von diesem Grundsatz nach BuRa-ZugTV eröffnen sich in Verbindung mit Regelungen des LfTV die folgenden drei Wahlmodelle, die durch das Anschreiben der DB abgefragt werden.

  • Modell „Entgelterhöhung“
  • Modell „Arbeitszeitabsenkung“
  • Modell „Zusätzlicher Erholungsurlaub“

Die beiden Modelle der Arbeitszeitabsenkung

Die Modelle „Arbeitszeitabsenkung“ und „Zusätzlicher Erholungsurlaub“ verfolgen dabei ein Grundanliegen des Tarifabschlusses von 2015: „Entlastung durch Arbeitszeitabsenkung“.

Dabei bedeutet das

Modell „Arbeitszeitabsenkung“ (Grundsatz nach BuRa-ZugTV)

Eine 1:1 Umsetzung der Referenz nach BuRa-ZugTV, also die 38-Stunden-Woche.
Das kann möglicherweise darauf hinauslaufen:

  • dass man die eine oder andere etwas kürzere Schicht erhält
  • vielleicht aber auch bei uns S-Bahnern die eine oder andere tatsächlich gewährte ASL-Ruhe, weil es etwas schwieriger wird, unser Stundensaldo unter der „magischen ASL-Grenze“ von 16 Stunden + zu halten.
Modell „Zusätzlicher Erholungsurlaub“ (LfTV §46a)

Erhöhung der individuellen Jahresarbeitszeit von 1984 Stunden (38-Stunden-Woche) auf 2036 Stunden (39-Stunden-Woche). Als Ausgleich für die Mehrarbeit gibt es 6 Tage mehr Erholungsurlaub.
Das bedeutet explizit:

  • Die Absenkung der Arbeitszeit erfolgt durch 6 Tage mehr Freizeit (Urlaub), die im Rahmen der regulären Urlaubsplanung verplant werden.

Hinsichtlich der tatsächlich zu arbeitenden Netto-Jahresarbeitszeit sind diese beiden Modelle (nahezu) gleichwertig. Daher wird bei beiden Modellen das Tabellenentgelt nach BuRa-ZugTV Anlage 2 gezahlt. Was hinsichtlich der Arbeitszeit bei oberflächlicher Betrachtung nicht ganz plausibel erscheinen mag, wird durch die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht.

Wahlmodelle
1984 Stunden mit 30 Tagen
Urlaub
2036 Stunden mit 36 Tagen
Urlaub
30 x 7,6 Std. = 228 Stunden 36 x 7,8 Std. = 281 Stunden
1984 – 228 = 1756 Stunden 2036 – 281 = 1755 Stunden
1756
Stunden
Netto-Jahresarbeitszeit
1755
Stunden
Netto-Jahresarbeitszeit
Quelle: GDL-Rundschreiben zum Wahlrecht

Das Modell Entgelterhöhung

Modell „Entgelterhöhung“ (LfTV §46 Abs. 1)

LfTV §46 Abs. 1 eröffnet letztlich auch die Möglichkeit dieses Modells. Anders als bei den beiden vorangegangenen Modellen, wird bei dem Model „Entgelterhöhung“ alternativ zur Absenkung der Arbeitszeit auf 38 Stunden / Woche, das Entgelt unabhängig von den Erhöhungen durch die ab April 2018 einsetzenden Veränderung der Entgeltstruktur zusätzlich noch einmal um ca. 2,62% erhöht.
Das funktioniert folgendermaßen:

  • Innerhalb des sogenannten „Vollzeitkorridors“ nach LfTV §46 Abs. 1 wird das individuelle Jahresarbeitszeit-Soll von 1984 Stunden (38-Stunden-Woche) auf 2036 Stunden (39-Stunden-Woche) erhöht. Das entspricht einer Arbeitszeiterhöhung um ca. 2,62%. Entsprechend erhöht sich dadurch auch das Tabellenentgelt um ca. 2,62%.

Fazit

Letzten Endes muss jeder für sich entscheiden, welche der drei Varianten zur persönlichen Lebenssituation am besten passt.

Der Kollege, der nach den GDL-Tarifverträgen behandelt wird und dieses seinerzeit auch mit der Tarifbindungserklärung erklärt hat, muss für die Erlangung der „normalen“ 38-Stunden-Woche ab 2018 bezüglich dieses Anschreibens der DB eigentlich gar nichts unternehmen. Denn die 38-Stunden-Woche ist ab 2018 der Grundsatz nach den GDL-Tarifverträgen. Andererseits tut in dem Fall das Kreuzchen beim Modell „Arbeitszeitabsenkung“ auch nicht weh. Wer jedoch eines der Alternativmodelle „Zusätzlicher Erholungsurlaub“ oder „Entgelterhöhung“ haben möchte, muss bis zum 30. Juni 2017 aktiv werden und das Antragsformular des Anschreibens abschicken.

Der GDL-Aushang zum Thema
Wahlrecht ausüben!