02. März 2017
OG S-Bahn Berlin

Das geliebte Dienst-Tablet
Eine Meinung zum Thema Dienst-Tablet

Zum Thema dienstliches Tablet ist schon viel diskutiert worden, und im Kollegenkreis gehen die Meinungen dazu weit auseinander. Hin und wieder findet man auch teils positiver teils eher negativ behaftete „Werbeprospekte“ hierzu in den Meldestellen. Da diese meiner Meinung nach etwas zu undifferenziert sind, an dieser Stelle ganz ungefragt meine ganz persönliche Meinung zu diesem Thema.

Ganz am Anfang: Ich habe prinzipiell eigentlich nichts gegen die dienstliche Nutzung eines Tablet-PC. Ich habe lediglich etwas gegen ein paar der damit verfolgten Ziele.

TabletDas neue Strawberry LX
mit integrierter Arbeitszeitverlagerung

Seit etwa Mitte der 90'er Jahre habe ich privat stets einen elektronischen Begleiter in meiner Ta-sche. Damals hießen die Dinger noch nicht Smartphone oder Tablet, sondern Organizer oder PDA. Die Guten davon waren unanständig teuer und kamen z. B. aus dem Hause Psion.
Über die Jahre habe ich diese Geräte als sehr zuverlässige Begleiter durchaus schätzen gelernt. Man hat sehr kompakt und einigermaßen griffbereit eine Fülle an Informationen an der Hand, die man sich so nur ungern in die Tasche stecken würde, bzw. die heutzutage auch anders gar nicht mehr aufzutreiben ist. Auch für den dienstlichen Gebrauch fallen mir durchaus nicht wenige nützliche Anwendungsmöglichkeiten ein.

ABER, und das mag den einen oder anderen Enthusiasten vielleicht etwas überraschen, die Zeit, die man benötigt, diese Informationen aufzunehmen, ist nahezu identisch. Ob sie nun digital oder in Papierform vorliegen. Das hat sich in all den Jahren nicht verändert. Da können die Prozessoren der Tablets noch so viele Kerne haben.

Vor diesem Hintergrund bin ich jedes mal aufs Neue überrascht, wenn im Zuge irgendwelcher Gedankenspiele zur Einführung eines Dienst-Tablet die Vorbereitungszeit zu Schichtbeginn infrage gestellt wird. Der Gedanke dabei: Da ich ja alle verfügbaren Informationen immer schön kompakt dabei habe, soll ich in der vorangehenden Schicht die nötigen Informationen für die Folgeschicht zwischendurch irgendwie mal auf die Schnelle akquirieren.

Nun ist das Fahren hier bei der Berliner S-Bahn nicht unbedingt der gern angeführte Ponyhof. Dennoch möchte ich auch nicht in Abrede stellen, dass sich im Normalfall im Verlaufe einer Schicht durchaus der eine oder andere Moment ergibt, mal eben vorbeugend nachzuschauen, was demnächst so los sein könnte.

Allerdings wird hierbei keck davon ausgegangen, dass sich der berufliche wie auch der anschließende private Alltag des gemeinen Lokführers derart dröge und ereignislos gestaltet, dass die so mal zwischendurch erhaschten Informationen verlustfrei bis zum nächsten Schichtantritt im Geiste überdauern.

Das mag möglicherweise funktionieren, wenn jeden Tag zur gleichen Zeit am gleichen Ort der Arbeitsplatz aufgesucht wird, um dort dann zu schauen, was es konkret zu tun gibt.
Aber genau das ist es eben. Schauen, was es konkret zu tun gibt. Je nachdem, wie umfangreich die Bauarbeiten mal wieder sind, gibt es ggf. eine Menge Informationen, die VOR der ersten Zugfahrt in Erfahrung zu bringen sind, damit sie nicht während dieser ersten Zugfahrt als böse Überraschung über einen hereinbrechen.

Wer also das nicht ganz so dröge Privatleben hat, muss dann nach diesen Plänen die sehr wahrscheinlich etwas lückenhaft gewordenen Resterinnerungen an das ein paar Tage zuvor erhaschte, unmittelbar vor Schichtantritt auf eigene Rechnung wieder auf einen brauchbaren Stand bringen.

ARBA

Nun wird der eine oder andere vielleicht sagen: Meine Güte, die paar Minuten.
Man muss aber nicht unbedingt Mathematiker sein, um zu sehen, dass das über ein Jahr gesehen deutlich mehr als nur ein paar Minuten Arbeitszeit sind, die hier infrage gestellt werden.

Zudem bin ich allen Beteuerungen hierzu zum Trotz davon überzeugt, dass diese „paar Minuten“ zumindest langfristig nur erst ein Anfang sein werden. Bestimmt finden sich noch findige Köpfe, die noch mehr von diesem „unnützen Zeugs“ entdecken, um es irgendwie wegzutabletisieren1). Tätigkeiten, die eigentlich (auch) zum Berufsalltag eines Lokführers gehören. Von dem einen oder anderen jedoch nicht für würdig befunden, Arbeit genannt zu werden.


1) Wegtabletisieren:
Beschreibt die Verlagerung von Tätigkeiten, die theoretisch nicht notwendig, praktisch aber dennoch anfallen und erforderlich sind, in Zeiträume, in denen man auch keine Zeit hat, weil man damit beschäftigt ist, andere, theoretisch auch nicht vorhandene Tätigkeiten, die praktisch aber dennoch regelmäßig anfallen, zu verrichten. Grins

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