29. August 2016
OG S-Bahn Berlin - UK

„Niemand hat die Absicht eine Meldestelle zu schließen“

In Anlehnung an eine sehr geschichtsträchtige Aussage umschreibt so ein GDL Lokführer die Beteuerungen des Arbeitgebers, mit dem Abschluss einer neuen Betriebsvereinbarung (BV) Arbeitszeit und BV Tablet für die Lokführer keine Meldestelle zu schließen. Doch die real existierenden Tatsachen sagen etwas anderes.

Die bisher vom Arbeitgeber dargestellten Entlastungen in einer neuen BV Arbeitszeit sollen auch weiterhin durch die Einführung von Tablets refinanziert werden. Zwar kosten Tablets zunächst auch zusätzliches Geld, aber mit dem Einsatz von Tablets will der Arbeitgeber unter anderem Vorbereitungszeiten streichen und uns so ca. 21 Stunden Fahrzeit mehr im Jahr aufhalsen. Neue Schichtlagenpläne spielen hier nur eine Nebenrolle, denn diese regeln nicht die Fahrzeiten und Inhalte unserer Arbeit.

Ungeliebter Kostenfaktor Meldestelle

Nach vorliegenden Informationen sieht die Finanzierung der Tablet unter anderem Einsparungen bei Miete, Strom, Terminals, Reinigungskosten und Ausstattung der Meldestellen vor, sowie bei betrieblichen Unterlagen (Papierform) und beim Personal. Vielleicht nicht gleich, aber ab 2018 sollen die Meldestellen zur Geschichte der S-Bahn gehören. Betrieblich werden sie bereits mit der Einführung der Tablets ihre Bedeutung verlieren. Dann soll Schichtbeginn auf dem Bahnhof sein, nicht aber in der Meldestelle. Das sieht eine Kalkulation vor, die nur vier Tage vor dem Werbeblock des Arbeitgebers zu seiner BV Arbeitszeit erstellt wurde. Genau die Veranstaltung wo verschiedene Arbeitgebervertreter uns beteuerten, dass niemand die Absicht hat eine Meldestelle zu schließen.

Um seine Pläne nun doch noch in diesem Jahr umzusetzen, rief der Arbeitgeber den Betriebsrat (BR) nun zu dreitägigen Gesprächen vom 29. bis 31.08. in ein Hotel (Akademie Berlin-Schmöckwitz) ein. Der BR hat dazu ein Verhandlungsteam festgelegt, welches die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber für das Gremium führen soll. Hinzu kommen für den BR ein Sachverstand für die Schichtgestaltung und ein Sachverstand für rechtliche und betriebsverfassungsrechtliche Fragen.

Eine Ankündigung des Arbeitgebers, dem BR ein neues Angebot für eine BV Arbeitszeit vorzulegen, besteht bisher nur in der Theorie. Das Ziel des Arbeitgebers scheint nun der Abschluss einer BV Arbeitszeit – hinter für uns Lokführer verschlossenen Türen – mit dem er uns wohl möglich dann – jetzt aber schnell – überrollen will. Darauf basierend soll im Oktober dann offensichtlich eine BV Tablet verhandelt werden, die nur noch die technischen Themen der Tablet-Einführung beinhalten.

Doch wollen wir als Betroffene nicht auch wissen, was da über unsere zukünftige Arbeit verhandelt wird? Bevor eine neue BV Arbeitszeit unterschrieben wird, die für uns Lokführer dann über Jahre hinweg gilt. Was sind die überfälligen Belastungssenkenden Maßnahmen und grundlegenden Forderungen von uns Lokführer mit denen der BR in die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber geht?

Ungeachtet dessen gibt es aber auch noch die Tarifrunde 2016, wo unsere Forderungen als GDL deutliche Verbesserungen bei der Arbeitszeit und Schichtgestaltung vorsehen. Wichtig ist und bleibt dabei jedoch, dass wir als Lokführer der S-Bahn Berlin bereit sind uns für die Umsetzung unserer Interessen und Forderungen auch aktiv einzusetzen.

Wir können viel wollen und fordern, aber nur zusammen etwas erreichen!

Niemand hat die Absicht eine Meldestelle zu schließen (PDF-Download)

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