24. Juli 2016
OG S-Bahn Berlin

Gedanken zu den „belastungssenkenden Maßnahmen“

Liebe Kollegen,

im Brief unserer Geschäftsführung zum Thema BV Arbeitszeit vom 06.07.2016 gibt es eine Liste von „Verbesserungen für unsere Lokführer“, die „in die Pilot-Betriebsvereinbarung aufgenommen“ wurden.

An dieser Stelle einmal ein paar Gedanken zu den „darin enthaltenen Eckpunkten“.

- Laufzeit der Pilot BV zwei Jahre, nach einem Jahr Durchführung einer Mitarbeiterbefragung

Laufzeit von zwei Jahren (mit automatischer Kündigung), heißt, dass man in zwei Jahren auf den jetzigen (evtl. subjektiv oder tatsächlich etwas schlechteren) Stand zurückfällt. Es sei denn, man hat sich auf eine neue BV geeinigt. Klappt das nicht, kann man wieder schön dem BR den schwarzen Peter zuschieben.
keine Belastungssenkung!

- Meldestellenkonzept bleibt zunächst wie bisher (11 Meldestellen zugesagt)

ist auf lange Sicht Augenwischerei. Denn durch den Wegfall der Vorbereitungszeiten wird spätestens in 2 Jahren die Existenzberechtigung der Meldestellen sehr wahrscheinlich in Frage gestellt werden. Aber bis dahin erst mal alles wie gehabt.
daher keine Belastungssenkung!

- 100 %ige Schichtsymmetrie

die vielfach wiederholte 100 prozentige Schichtsymmetrie -
ist eigentlich Bestandteil des Tarifvertrags und somit kein besonderes Entgegenkommen unserer Geschäftsführung. Zudem besteht bei fehlenden entsprechenden Regelungen, langfristig die Gefahr des Wegfalls der Wohnortnähe.
keine Belastungssenkung!

- Einführung von kürzeren Arbeitsschichtlagen in die Rahmenschichtlagen zur Verkleinerung des Fensters, in dem dann die tatsächliche Schicht liegt - jeweils für ein Jahr und unter Beibehaltung der Möglichkeit der Individualisierung der Schichtlagepläne wie bisher

erreicht tatsächlich eine etwas bessere Planbarkeit der Arbeitszeit für den Lokführer, senkt aber nicht die Belastung in oder vor der Schicht bzw. zwischen den Schichten.
keine Belastungssenkung!

- Schichtlagepläne mit grundsätzlich 251 Schichtantritten inklusive 12 ASL-Schichtlagen im Kalenderjahr

also im Grunde wie bisher
keine Belastungssenkung!

- Anpassung der Urlaubsplanung, zusätzliche Aufnahme von im kommenden Jahr zu erwartendem Schichturlaub in die Urlaubsplanung ab 35. KW

heißt, die Wahrscheinlichkeit, seine angesammelten Urlaubstage zu bekommen steigt. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, hat allerdings tatsächlich evtl. ein paar mehr freie Tage zur Folge.
geringe Belastungssenkung!

- Einführung eines Schichtanteils „AUZ" - Zeitanrechnung für das Einsehen von Arbeitsunterlagen nach längerer Abwesenheit

Einführung von zusätzlichen Arbeitszeitanteilen, die aber nur auf das Arbeitszeitkonto gutgeschrieben und nicht etwa in eine Schicht eingearbeitet werden, und daher auch noch vom Kollegen selbst abgerechnet werden müssen, erhöhen sukzessive das Überzeitkonto der Lokführer, mehr nicht
keine Belastungssenkung!

- Einführung eines Schichtanteils „AU" - Arbeitsunterlagen einsehen in den Schichten

Einführung eines Schichtanteiles zum Lesen von Arbeitsunterlagen, der in die derzeitigen „B-“-Zeiten, in denen man bisher kurz entspannen konnte, reingequetscht wird.
also Belastungserhöhung!

- Der Schichtanteil von 8 Minuten „MSA" entfällt, dafür Einführung der Anrechnung einer pauschalen Wegezeit von 8 Minuten für den Weg bei Dienstbeginn und bei Dienstende von und zur Meldestelle (ausgenommen die Wegezeiten von und zu den Werken, diese bleiben unverändert)

Das klingt in etwa wie eine 1 : 1 Übernahme. Tatsächlich werden aber aus den jetzigen 13 min Vorbereitung und Wegezeit zu Beginn der Schicht, jeweils 4 min Wegezeit zu Beginn und zum Ende der Schicht. Es gehen also 5 Minuten je Schicht bzw. ca. 20 Stunden auf das ganze Jahr gesehen verloren, die so mehr in die Fahrzeit einfließen können.
eindeutig Belastungserhöhung!

- Einführung von Tablet-PC für Lokführer mit folgenden Grundfunktionen und Inhalten . . .

Da der Lokführer genötigt werden soll, das Tablet mit nach Hause zu nehmen und dort auch damit zu arbeiten (diese Arbeiten werden im Laufe der Jahre nach und nach immer mehr werden), handelt es sich eindeutig um eine Belastungserhöhung!

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Wir können daher beim besten Willen nicht erkennen, worin die Geschäftsführung hierbei den „tollen Wurf“ sieht. Jedoch wird nun wohl an einem weiteren „Wurf“ gearbeitet, bzw. es werden die Verhandlungen dahingehend fortgeführt. Damit ist vieles hiervon auch wieder offen.

Euer Ortsgruppenvorstand